
In den letzten zwei Jahren ist in meinem Leben und in meiner Arbeit viel in Bewegung gekommen. Nicht als radikaler Bruch, sondern als ein langsames, deutliches Nachschärfen dessen, was mir wirklich wichtig ist. Wenn ich heute auf diese Zeit schaue, dann sehe ich kein Entweder-oder zwischen Businesskontext und Familien- oder Paararbeit – ich sehe ein großes Sowohl-als-auch, das sich immer mehr zu einem stimmigen Bild fügt.
heART of LEADING war von Anfang an eine Einladung, Führung von innen heraus zu denken – mit Menschen im Mittelpunkt, mit Beziehungen als Kern von Entwicklung und Erfolg. Daran hat sich nichts geändert. Ich habe auch in den letzten Jahren Führungskräfte, Teams und Organisationen begleitet, mit all den Themen, die zu ihrem Alltag gehören: Entscheidungen, Konflikte, Veränderungsdruck, Rollenklärung, Macht, Verantwortung, Erschöpfung, Freude, Erfolg. Hinter jedem Titel, jeder Funktion, jedem Organigramm stehen Menschen, die miteinander arbeiten, ringen, lachen, zweifeln und gestalten.
Parallel dazu hat meine Erfahrung in der Familienhilfe und im Paarcoaching meine Perspektive erweitert und geschärft. Plötzlich saß ich nicht nur in Meetingräumen oder Coachingsettings, sondern auch an Küchentischen, auf Sofas, mitten im ganz normalen Leben. Dort, wo keine Agenda an der Wand hängt, wo nichts „für später“ dokumentiert wird, sondern alles unmittelbar ist: Nähe, Verletzung, Sprachlosigkeit, Hoffnung, Müdigkeit. Diese Begegnungen haben mir noch einmal eindrücklich gezeigt, wie sehr wir alle – ob im Vorstandsbüro, im Homeoffice, in der Familienküche – nach Verbindung suchen.
Für mich war das kein Richtungswechsel, sondern eine Vertiefung. In Organisationen sehe ich heute noch klarer, was ich schon lange gespürt habe: Auch dort geht es nicht nur um Strukturen und Strategien, sondern darum, wie wir miteinander sind. Wie ein Team Konflikte austrägt. Wie eine Führungskraft mit Unsicherheit umgeht. Wie sehr sich Menschen trauen, sich zuzumuten – mit ihren Ideen, ihren Grenzen, ihren Bedürfnissen. In Familien und Paaren sehe ich umgekehrt vertraute Muster: Rollen, unausgesprochene Erwartungen, Loyalitäten, die mehr bestimmen als jedes gemeinsame „Zielbild“.
Je mehr ich diese Welten parallel erlebt habe, desto stärker ist ein roter Faden sichtbar geworden: Menschen bleiben Menschen – egal, ob sie gerade als Führungskraft, Mutter, Vater, Kollegin, Partnerin oder Geschäftsführer*in unterwegs sind. Wir nehmen uns überall mit hin. Unsere Prägungen, unsere Schutzstrategien, unsere Art zu lieben, zu kämpfen, auszuweichen. Ob wir gerade über ein Jahresziel, eine Urlaubsplanung oder eine Trennung sprechen – die Bewegungen dahinter sind sich oft erstaunlich ähnlich.
Das hat meine Arbeit verändert. Ich arbeite noch immer mit Führungskräften, mit Teams, mit ganzen Organisationen. Und ich arbeite mit Paaren, Eltern und Familien. Aber ich trenne diese Welten innerlich nicht mehr so stark. Wenn ein CEO vor mir sitzt und sagt „Ich habe das Gefühl, ich muss immer funktionieren“, dann klingt das für mich nicht so anders als eine Mutter, die sagt „Ich darf nicht zusammenbrechen, ich muss doch halten“. Wenn in einem Team niemand mehr wagt, kritische Punkte anzusprechen, erinnert mich das an Paare, die um alles Mögliche streiten – außer um das, worum es eigentlich geht.
Wir brauchen Räume, die wir gemeinsam gestalten
Für mich ist das kein Widerspruch, sondern genau der Punkt: Überall dort, wo Menschen gemeinsam etwas tragen – ein Unternehmen, ein Team, eine Familie, eine Beziehung – braucht es Räume, in denen sie echt sein dürfen. Räume, in denen sie ihre Muster erkennen können, ohne dafür verurteilt zu werden. Räume, in denen Verantwortung nicht bedeutet, sich selbst zu verlieren. Räume, in denen Leistung und Erfolg Platz haben, aber nicht auf Kosten von Lebendigkeit und innerer Wahrheit.
In dieser Zeit habe ich auch mich selbst anders in den Blick genommen. Ich habe noch einmal sehr bewusst hingeschaut: Wie möchte ich arbeiten? Wie möchte ich leben? Was brauche ich, um in Verbindung mit mir zu bleiben, auch wenn es im Außen laut, fordernd oder unübersichtlich wird? Ich habe begonnen, mich deutlicher zu zeigen – in Coachings mit Führungskräften ebenso wie in der Arbeit mit Familien. Weniger Methode, mehr echtes Gegenüber. Weniger „Ich weiß, wie es geht“, mehr „Ich bin hier, mit allem, was ich bin, und begleite dich/euch“.
Seit ich mir erlaube, mich so zu zeigen, fällt es mir leichter, meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen: Wie viel Raum möchte ich für meine Familie? Wie viel Energie möchte ich in Organisationsprozesse geben? Wo brauche ich Tiefe, wo Leichtigkeit, wo klare Kante? Dadurch hat sich meine Arbeit nicht verengt, sondern geklärt. Ich muss mich nicht entscheiden, ob ich „nur“ mit Führungskräften oder „nur“ mit Familien arbeite. Ich darf beides – und genau darin liegt für mich heute die Kraft.
Wenn ich von meiner Vision spreche, dann meine ich keine große, abgehobene Zukunftsfolie. Ich meine eine sehr konkrete Haltung: Beziehungen als Treiber für Erfolg – und zwar in allen Systemen, in denen wir unterwegs sind. Erfolg kann dann heißen: ein Team, das wieder miteinander spricht. Eine Führungskraft, die sich traut, auch mal „Ich weiß es gerade nicht“ zu sagen. Eine Organisation, die Veränderung nicht nur „ausrollt“, sondern wirklich gemeinsam gestaltet. Eine Familie, in der jemand zum ersten Mal sagt: „So kann und will ich nicht weitermachen.“ Ein Paar, das nach einer Krise einen neuen, ehrlicheren Weg findet.
Am Ende geht es immer wieder um das Gleiche: Darum, innerlich anwesend zu sein. Hinzuschauen, auch wenn es weh tut. Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst zu verlieren. Und Wege zu finden, wie wir so leben und arbeiten können, dass es uns nicht nur nach außen „erfolgreich“ macht, sondern sich innen stimmig anfühlt.
Genau dort sehe ich heute meine Arbeit: an den Schnittstellen, an den Übergängen, in den Spannungsfeldern. Zwischen Rolle und Person, zwischen Erwartung und Wunsch, zwischen Funktion und Gefühl. Mit Führungskräften, Teams und Organisationen. Mit Paaren, Eltern und Familien. Mit dir – in all deinen Rollen.
Und vielleicht ist das der ehrlichste Satz, den ich dazu gerade sagen kann: Ich möchte mehr von dem in die Welt bringen, was mir selbst gut tut. Verbindung statt Fassade. Klarheit statt Dauerdruck. Humor trotz Tiefe. Räume, in denen du dich selbst wieder ein Stück mehr findest – im Leben und in der Arbeit.
Ich freue mich auf die nächsten 10 Jahre heART of LEADING. Und dich. Und euch.